Stromnetz: Aufbau, Kosten & Versorgungssicherheit
Stromnetz: Das Wichtigste in Kürze
- Das deutsche Stromnetz besteht aus vier Spannungsebenen und wird von vier Übertragungsnetzbetreibern sowie rund 870 Verteilnetzbetreibern betrieben.
- Netzentgelte sind Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes. Sie finanzieren Betrieb, Wartung und Ausbau der Leitungen, Umspannwerke und Trafostationen.
- Deutschland hat eines der zuverlässigsten Stromnetze Europas. 2024 lag die durchschnittliche Stromausfalldauer bei nur 11,7 Minuten pro Haushalt.
- Das Stromnetz lässt sich durch intelligente Steuerung, flexible Verbraucher und die Nutzung von Solarstrom vor Ort entlasten. Die Grundlage dafür ist ein intelligenter Stromzähler (Smart Meter).
Das Stromnetz verbindet Energieerzeuger und Energieverbraucher. Es besteht aus vier Spannungsebenen, wird von über 870 Netzbetreibern gewartet und transportiert jährlich rund 500 Terawattstunden Strom. Für Hausbesitzer lohnt sich ein genauer Blick: Wie ist das Netz aufgebaut, was kosten die Netzentgelte und wie zuverlässig ist die Versorgung?
Wie ist das deutsche Stromnetz aufgebaut?
Das deutsche Stromnetz ist in vier Spannungsebenen gegliedert, die den Strom stufenweise von großen Kraftwerken bis zur heimischen Steckdose transportieren. Man kann es sich wie ein Straßennetz vorstellen: Die Höchstspannungsleitungen sind die Autobahnen, die Niederspannungsleitungen die kleinen Wohnstraßen vor der Haustür.
Die vier Spannungsebenen im Überblick:
- Höchstspannung (220–380 kV): Transportiert große Strommengen über weite Strecken, etwa von Offshore-Windparks an der Nordsee zu Verbrauchszentren im Süden.
- Hochspannung (60–110 kV): Verteilt den Strom regional und versorgt große Industriebetriebe direkt.
- Mittelspannung (6–30 kV): Bringt den Strom in Städte und Gemeinden, versorgt Gewerbegebiete und größere Gebäude.
- Niederspannung (230/400 V): Die letzte Meile bis zum Haushalt. Hier sind auch private Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Wallboxen angeschlossen.
Wer betreibt das Stromnetz?
Für die Höchstspannungsebene sind vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) zuständig: Amprion, 50Hertz, TenneT und TransnetBW. Sie betreiben zusammen rund 37.000 km Höchstspannungsleitungen und sorgen dafür, dass Angebot und Nachfrage im Netz jederzeit im Gleichgewicht bleiben.
Die Verteilung an Haushalte und Unternehmen übernehmen rund 870 Verteilnetzbetreiber (VNB). Sie betreiben die Mittel- und Niederspannungsnetze und sind beispielsweise die direkten Ansprechpartner für den Netzanschluss von Photovoltaikanlagen.
Was kostet mich das Stromnetz? Netztentgelte kurz erklärt
Netzentgelte sind Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes. Sie finanzieren Betrieb, Wartung und Ausbau der Leitungen, Umspannwerke und Trafostationen. Ohne diese Infrastruktur würde kein Strom vom Kraftwerk oder der Solaranlage bis zur Steckdose gelangen. Die Netzentgelte werden von den Netzbetreibern erhoben und von der Bundesnetzagentur reguliert, damit die Kosten fair und nachvollziehbar bleiben.
Die Netzentgelte setzen sich aus fünf Kostenblöcken zusammen, die gemeinsam Betrieb, Wartung und Ausbau der gesamten Netzinfrastruktur finanzieren
Der größte Anteil von 50 % entfällt auf das lokale Verteilnetz. Das ist die letzte Meile bis zum Hausanschluss, also die Leitungen in den Straßen und die Ortsnetztrafos. Diese Infrastruktur muss flächendeckend gewartet und für die Energiewende fit gemacht werden, etwa für die steigende Zahl von Wärmepumpen und Wallboxen.
Wie sicher ist die Stromversorgung im deutschen Stromnetz?
Die Stromversorgung in Deutschland gehört zu den zuverlässigsten in Europa. 2024 lag die durchschnittliche Stromausfalldauer pro Haushalt bei nur 11,7 Minuten im gesamten Jahr (“SAIDI-Index”). Das entspricht einer Verfügbarkeit von 99,998 %. Im Vorjahr 2023 waren es noch 12,8 Minuten, der Wert hat sich also trotz wachsendem Anteil erneuerbarer Energien verbessert.
Gut zu wissen: Mit diesen Werten ist Deutschland im internationalen Vergleich ganz vorne mit dabei. Ein Beispiel: In den USA fällt der Strom circa vier Mal so oft aus.
Was ist der SAIDI-Index und wie wird er berechnet?
Der SAIDI-Index (System Average Interruption Duration Index) misst die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung pro Letztverbraucher innerhalb eines Kalenderjahres. Er ist die international anerkannte Kennzahl für die Zuverlässigkeit von Stromnetzen.
So wird der SAIDI berechnet:
Die Bundesnetzagentur erfasst alle ungeplanten Stromausfälle, die länger als drei Minuten dauern. Aus der Summe aller Ausfallzeiten und der Anzahl betroffener Haushalte ergibt sich der SAIDI-Wert in Minuten pro Jahr.
Was der SAIDI nicht zeigt:
- Ausfälle unter drei Minuten werden nicht erfasst.
- Geplante Abschaltungen für Wartungsarbeiten fließen nicht in die Statistik ein.
- Der Wert ist ein Durchschnitt. Einzelne Haushalte können stärker oder gar nicht betroffen sein.
Was ist der Unterschied zwischen einem Blackout und einem normalen Stromausfall?
Ein Blackout ist ein großflächiger, unkontrollierter Zusammenbruch des Stromnetzes. Er betrifft ganze Regionen oder sogar Länder und kann Stunden bis Tage dauern. Ein normaler Stromausfall ist dagegen ein lokales Ereignis, das meist innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden behoben wird.
Warum sind Blackouts in Deutschland sehr unwahrscheinlich?
- Das europäische Verbundnetz gleicht Schwankungen zwischen Ländern aus.
- Die vier Übertragungsnetzbetreiber überwachen die Netzfrequenz rund um die Uhr.
- Regelkraftwerke und Batteriespeicher können innerhalb von Sekunden einspringen.
- Notfallpläne sehen eine kontrollierte Lastabschaltung vor, bevor das Netz zusammenbricht.
Das bedeutet nicht, dass lokale Stromausfälle unmöglich sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann mit einer Notstromlösung zumindest die wichtigsten Verbraucher im Haus für einige Stunden weiter betreiben.
Wie kann das Stromnetz langfristig entlastet werden?
Das Stromnetz lässt sich durch intelligente Steuerung, flexible Verbraucher und die Nutzung von Solarstrom vor Ort entlasten. Je mehr Haushalte ihren Stromverbrauch an die aktuelle Netzsituation anpassen, desto weniger Engpässe entstehen und desto geringer ist der Ausbaubedarf.
Die Herausforderung:
Mit der Energiewende steigt die Belastung der Stromnetze. Immer mehr Wärmepumpen, Wallboxen und Photovoltaikanlagen werden installiert. Das Verteilnetz, das ursprünglich nur für den Stromtransport in eine Richtung ausgelegt war, muss nun bidirektionale Stromflüsse bewältigen und deutlich höhere Lasten verkraften.
Wie Smart Meter zur Lösung beitragen:
Ein Smart Meter (intelligentes Messsystem) ist der Schlüssel zur Netzentlastung. Er misst den Stromverbrauch in Echtzeit und ermöglicht die Kommunikation zwischen Haushalt und Netzbetreiber. Das eröffnet drei zentrale Vorteile:
- Transparenz: Der eigene Stromverbrauch wird sichtbar, aufgeschlüsselt nach Tageszeit und Gerät. Stromfresser lassen sich identifizieren.
- Flexible Tarife: Dynamische Stromtarife werden nutzbar. Strom ist günstiger, wenn viel Wind- oder Solarstrom im Netz ist und teurer bei Knappheit.
- Netzorientierte Steuerung: Steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen oder Wallboxen können bei Engpässen kurzzeitig gedimmt werden. Im Gegenzug sinken die Netzentgelte nach § 14a EnWG.
Als Hausbesitzer kann man jederzeit den Messstellenbetreiber wechseln, einen Smart Meter installieren lassen und somit langfristig die Stromkosten reduzieren.
Hier können Sie ein Smart Meter für Ihr Zuhause beantragen:
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