Netzentgelte: Die aktuelle Kostenübersicht inkl. Spartipps

Aktualisiert am:
30.01.2026
Lesezeit:
5 Minuten

Netzentgelte sind ein fester Bestandteil jeder Stromrechnung. Dennoch wissen viele Hausbesitzer nicht, was sich dahinter verbirgt und wie sie diese Kosten beeinflussen können. Dieser Artikel erklärt, wie sich Netzentgelte zusammensetzen, warum sie je nach Wohnort so unterschiedlich ausfallen und welche Möglichkeiten es gibt, sie zu reduzieren.

Was sind Netzentgelte?

Netzentgelte sind Gebühren für die Nutzung der Stromleitungen zwischen Kraftwerk und Steckdose. Sie finanzieren den Betrieb, die Wartung und den Ausbau des gesamten Stromnetzes in Deutschland.

Jeder Haushalt zahlt diese Gebühren automatisch mit der Stromrechnung. Der Stromanbieter führt sie an den zuständigen Netzbetreiber ab. Wie hoch die Netzentgelte sein dürfen, legt nicht der Netzbetreiber selbst fest. Die Bundesnetzagentur prüft die Kosten und genehmigt die Entgelte. Das soll verhindern, dass Netzbetreiber ihre Monopolstellung ausnutzen.

Die Netzentgelte bestehen aus zwei Teilen:

  1. Grundpreis: Fester Jahresbetrag, unabhängig vom Verbrauch
  2. Arbeitspreis: Vebrauchsabhängig, pro Kilowattstunde

Was sind dynamische Netzentgelte?

Dynamische oder zeitvariable Netzentgelte sind Tarife, bei denen die Netzgebühren je nach Tageszeit unterschiedlich hoch ausfallen. Nachts und mittags ist die Netznutzung günstiger, abends teurer. Dieses Modell belohnt Haushalte, die ihren Stromverbrauch flexibel in Zeiten geringer Netzauslastung verlagern können.

Klassische Netzentgelte sind statisch: Jede Kilowattstunde kostet gleich viel, egal ob um 3 Uhr nachts oder um 18 Uhr abends. Zeitvariable Netzentgelte brechen mit diesem Prinzip. Sie bilden die tatsächliche Belastung des Stromnetzes ab.

Seit 2025 sind Netzbetreiber verpflichtet, zeitvariable Netzentgelte anzubieten. Voraussetzung für die Nutzung ist ein Smart Meter, das den Verbrauch in Echtzeit erfasst und dem jeweiligen Zeitfenster zuordnet.

Wie setzen sich die Netzentgelte zusammen?

Die Netzentgelte setzen sich aus Kosten für die verschiedenen Teile des Stromnetzes zusammen. Der mit Abstand größte Posten ist das lokale Verteilnetz, also die Leitungen in der Straße und im Wohngebiet.

Woraus setzen sich die Netzentgelte zusammen?
Kostenblock Anteil Was damit finanziert wird
Lokales Verteilnetz (Niederspannung) 50 % Leitungen in Straßen, Ortsnetztrafos, Hausanschlüsse
Regionales Verteilnetz (Mittelspannung) 20 % Umspannwerke, regionale Leitungen
Übertragungsnetz 20 % Höchstspannungsleitungen, deutschlandweiter Transport
Messstellenbetrieb 5 % Stromzähler, Smart Meter, Ablesung
Abrechnung und Verwaltung 5 % Kundenservice, Rechnungsstellung, IT-Systeme
Gesamt 100 %

Welchen Anteil haben Netzentgelte an den Stromkosten?

Netzentgelte machen rund 20-30 % der gesamten Stromrechnung aus. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 32 Cent/kWh entfallen also bis zu 10 Cent auf die Netznutzung. Der Rest verteilt sich auf Stromerzeugung, Steuern, Umlagen und die Marge des Anbieters.

Viele Hausbesitzer unterschätzen diesen Posten, weil er auf der Rechnung nicht separat erscheint. Dabei sind die Netzentgelte nach der Strombeschaffung oft der zweitgrößte Kostenblock.

So setzt sich der Strompreis zusammen (Durchschnitt 2026)
Kostenblock Anteil Was dahintersteckt
Strombeschaffung und Vertrieb ca. 40 % Einkauf an der Strombörse, Kundenservice, Marge des Anbieters
Netzentgelte ca. 20 % Nutzung der Stromleitungen vom Kraftwerk bis zur Steckdose
Steuern ca. 20 % Mehrwertsteuer (19 %), Stromsteuer
Umlagen und Abgaben ca. 10 % Konzessionsabgabe, Offshore-Umlage, §19-Umlage
Messstellenbetrieb ca. 5 % Betrieb des Stromzählers
Sonstige ca. 5 % Verwaltung, Abrechnungskosten
Gesamt 100 %

Wie hoch sind die Netzentgelte in 2026?

Die durchschnittlichen Netzentgelte in Deutschland liegen 2026 bei 10,4 Cent/kWh brutto. Das sind rund 20 % weniger als noch 2024. Ein Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch zahlt damit im Schnitt 416 € für die Netznutzung, statt 524 € wie vor zwei Jahren.

Der Rückgang hat einen klaren Grund: Der Staat greift den Netzbetreibern finanziell unter die Arme. 2026 fließen 6,5 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in die Stabilisierung der Netzentgelte. Ohne diesen Zuschuss wären die Kosten für Haushalte deutlich höher ausgefallen, denn der Ausbau der Stromnetze für die Energiewende verschlingt Milliarden.

Entwicklung der Netzentgelte 2024–2026
Jahr Netzentgelt (brutto) Jahreskosten bei 4.000 kWh Veränderung zum Vorjahr
2024 13,1 Ct/kWh 524 €
2025 11,7 Ct/kWh 468 € -10,7 %
2026 10,4 Ct/kWh 416 € -11,1 %
Quelle: Preisblätter großer Netzbetreiber, eigene Berechnung (Bundesdurchschnitt).

Warum sind Netzentgelte regional so unterschiedlich?

Die regionalen Unterschiede bei den Netzentgelten entstehen durch die dezentrale Struktur der deutschen Stromnetze. Rund 880 Verteilnetzbetreiber kalkulieren ihre Kosten jeweils individuell. Die größten Einflussfaktoren:

  1. Alter und Zustand des Netzes: Je älter das Stromnetz, desto mehr muss der Netzbetreiber in Wartung und Modernisierung stecken. In den neuen Bundesländern wurden nach der Wiedervereinigung viele Netze erneuert, was dort teils zu niedrigeren Instandhaltungskosten führt.
  2. Ausbau von erneuerbaren Energien: Dort wo viel Wind- und Sonnenenergie erzeugt wird, müssen die Netze ausgebaut werden, um den zusätzlichen Strom aufzunehmen. Im Norden wird zum Beispiel viel Windkraft produziert, also wird dort mehr Geld für den Netzausbau benötigt, was zu höheren Netzentgelten führt.
  3. Netzstruktur und Bevölkerungsdichte: In dünn besiedelten Regionen verteilen sich die Netzkosten auf weniger Haushalte. Das gleiche Leitungsnetz muss von weniger Kunden finanziert werden, was die Kosten pro Kopf erhöht.

Die Tabelle zeigt die Netzentgelte pro Bundesland:

Netzentgelte nach Bundesländern 2026
Bundesland Netzbetreiber Netzentgelt 2026 Jahreskosten (4.000 kWh)
Brandenburg NBB 3,0 Ct/kWh 120 €
Niedersachsen EWE Netz 7,3 Ct/kWh 292 €
Bremen Wesernetz 8,9 Ct/kWh 356 €
Bayern Bayernwerk Netz 9,0 Ct/kWh 360 €
Mecklenburg-Vorpommern WEMAG Netz 9,5 Ct/kWh 380 €
Thüringen Thüringer Energienetze 9,6 Ct/kWh 384 €
Sachsen-Anhalt MITNETZ Strom 10,0 Ct/kWh 400 €
Berlin Stromnetz Berlin 10,0 Ct/kWh 400 €
Hessen EAM Netz 10,1 Ct/kWh 404 €
Schleswig-Holstein SH Netz 10,8 Ct/kWh 432 €
Baden-Württemberg Netze BW 11,9 Ct/kWh 476 €
Sachsen SachsenNetze 12,1 Ct/kWh 484 €
Saarland energienetz saar 12,6 Ct/kWh 504 €
Rheinland-Pfalz EWR Netze 13,6 Ct/kWh 544 €
Hamburg Hamburger Energienetze 14,0 Ct/kWh 560 €
Nordrhein-Westfalen Westnetz 14,1 Ct/kWh 564 €
Bundesdurchschnitt 10,4 Ct/kWh 416 €
Quelle: Preisblätter der jeweiligen Netzbetreiber (Stand 2026). Innerhalb eines Bundeslandes können die Entgelte je nach Netzbetreiber abweichen.

Wie kann § 14a EnWG die Netzentgelte reduzieren?

Der § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) bietet Hausbesitzern mit Wärmepumpe, Wallbox oder Stromspeicher einen finanziellen Anreiz. Wer dem Netzbetreiber erlaubt, diese Geräte bei Netzengpässen kurzzeitig zu drosseln, erhält im Gegenzug reduzierte Netzentgelte. Die Ersparnis beträgt je nach Netzbetreiber bis zu 190 € pro Jahr.

Die Regelung gilt seit dem 1. Januar 2024 bundesweit. Sie betrifft sogenannte steuerbare Verbrauchseinrichtungen mit einer Leistung von mehr als 4,2 kW. Das sind Geräte mit hohem Stromverbrauch, die das Netz zu Spitzenzeiten stark belasten können:

  • Wärmepumpen
  • Wallboxen für Elektrofahrzeuge
  • Stromspeicher
  • Klimaanlagen

All diese Geräte haben eine Gemeinsamkeit: Sie können ihren Strombezug zeitlich verschieben, ohne dass der Nutzer einen spürbaren Nachteil hat. Eine Wärmepumpe gleicht eine kurze Drosselung durch den Wärmepuffer im Haus aus. Ein Elektroauto lädt etwas langsamer, ist aber am nächsten Morgen trotzdem voll.

Warum gibt es reduzierte Netzentgelte für steuerbare Geräte?

Das Stromnetz muss immer auf die höchste zu erwartende Last ausgelegt sein. Wenn abends Millionen Elektroautos gleichzeitig laden und Wärmepumpen auf Hochtouren laufen, entstehen Lastspitzen. Um diese abzufangen, müssten die Netzbetreiber teure Leitungen und Transformatoren ausbauen.

Die Steuerung nach § 14a vermeidet einen Teil dieses Ausbaubedarfs. Das Prinzip ist einfach: Flexibilität gegen günstigere Netzentgelte. Die Netzbetreiber geben die eingesparten Ausbaukosten als Rabatt an die teilnehmenden Haushalte weiter.

Wie funktioniert die Steuerung in der Praxis?

Die Steuerung läuft automatisch und ist im Alltag kaum spürbar. Der Netzbetreiber sendet bei drohender Überlastung ein Signal, das die Leistung der betroffenen Geräte begrenzt. Wichtig: Die Geräte werden nicht komplett abgeschaltet, sondern nur gedrosselt.

Eine Wärmepumpe kann also auch während einer Drosselung weiter heizen, nur mit reduzierter Leistung. Für Wallboxen bedeutet das: Das Auto lädt langsamer, aber es lädt.

Smart Meter als Grundlage für reduzierte Netzentgelte

Egal ob Photovoltaikanlage, Wärmepumpe oder dynamischer Stromtarif: Die Grundlage für reduzierte Netzentgelte ist immer ein Smart Meter. Dieser intelligente Stromzähler sorgt zum Beispiel dafür, dass der Stromverbrauch nahezu in Echtzeit gemessen und an den Netzbetreiber gesendet  werden kann. Somit ist er die Grundlage für die Energiewende und für Millionen Haushalte in Deutschland der Schlüssel zu langfristig günstigem Strom (Stichwort "Smart-Meter-Rollout").

Was viele nicht wissen: Jeder Haushalt hat das Recht, den Messstellenbetreiber frei zu wählen und sich dadurch jederzeit ein Smart Meter einbauen zu lassen. Hier können Sie direkt ein Smart Meter anfragen und schon in wenigen Wochen von den Vorteilen profitieren:

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Landesweite Analyse: So unterschiedlich profitieren deutsche Haushalte durch Smart Meter von reduzierten Netzentgelten

Wenn das Stromnetz an seine Grenzen kommt, dürfen Netzbetreiber steuerbare Geräte wie Wärmepumpen, Stromspeicher oder Wallboxen kurzfristig drosseln. Das funktioniert über den Smart Meter und ist wichtig, um die Überlastung des Netzes zu vermeiden und dieses stabil zu halten. Im Gegenzug profitieren diese Haushalte dann aber von reduzierten Netzentgelten, also niedrigeren Gebühren für die Nutzung der Stromnetze. 

Die Höhe der Netzentgeltreduzierung folgt dabei einer einfachen Systematik: Netzbetreiber berechnen eine pauschale jährliche Entlastung auf Basis ihrer regionalen Netzentgelte und typischer Verbrauchswerte steuerbarer Geräte wie Wärmepumpen oder Wallboxen. Da die Kosten für Betrieb und Ausbau der Stromnetze je nach Region unterschiedlich sind, fallen auch die zugrunde liegenden Netzentgelte verschieden hoch aus. Auf dieser Basis wird eine standardisierte Entlastung festgelegt, die Haushalte für ihre Bereitschaft zur flexiblen Steuerung erhalten. Je höher also die Netzentgelte in einer Region sind, desto größer ist in der Regel auch die mögliche Reduzierung. Seit Anfang 2024 gilt diese Regelung nach Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) für alle neu installierten Geräte.

Die Analyse von metrify zeigt: Haushalte in bestimmten Regionen profitieren deutlich mehr von den bundesweiten Entlastungen, während andere Regionen nur wenig davon abbekommen. Zwischen der höchsten und der niedrigsten Entgeltreduzierung liegen jährlich fast 90 Euro.

Großstädte: Höchste Reduzierung in Stuttgart und Hamburg

Unter den 20 einwohnerstärksten Städten in Deutschland sparen Verbraucher in Stuttgart mit 143,43 Euro jährlich am meisten. Auf Platz zwei und drei folgen Hamburg mit einer Netzentgeltreduzierung von 139,73 Euro im Jahr sowie Essen mit 137,26 Euro/Jahr. Am wenigsten profitieren dagegen Kölner: Sie zahlen durchschnittlich 95,58 Euro weniger pro Jahr. Auch Leipzig liegt mit einer jährlichen Reduzierung von 99,83 Euro noch deutlich unter dem Durchschnitt von 119,24 Euro in den 20 größten Städten. Deutlich näher kommen diesem etwa Berlin mit 123,10 Euro/Jahr und München mit 115,56 Euro/Jahr.

Differenz für Netzentgelte liegt deutschlandweit bei 88,35 Euro

Der Blick auf die mehr als 10.600 analysierten Städte und Gemeinden zeigt starke Unterschiede in der jährlichen Ersparnis. Angeführt wird die Liste vom hessischen Igelsbach. In der Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis dürfen sich die Einwohner über eine potenzielle Entgeltreduzierung von 179,58 Euro/Jahr freuen. Die nächsthöhere Ersparnis gibt es mit 169,23 Euro/Jahr in Bad Herrenalb in Baden-Württemberg.

Am anderen Ende der Rangliste landen mehr als 280 Gemeinden in Niedersachsen, in denen die jährliche Entgeltreduzierung bei 91,23 Euro liegt. Daraus ergibt sich eine Differenz von 88,35 Euro zwischen der höchsten und der niedrigsten Netzentgeltreduzierung. Der bundesweite Durchschnitt unter allen untersuchten Städten liegt bei 116,61 Euro. 

Bundesländer: Geringste Netzentgelt-Reduktion in Bayern

Hochgerechnet auf die Bundesländer führt Hamburg (139,26 Euro/Jahr) die Liste mit der höchsten Netzentgeltreduzierung an. Es folgen Rheinland-Pfalz (128,84 Euro/Jahr), Baden-Württemberg (123,86 Euro/Jahr) und Berlin (123,10 Euro/Jahr). Am wenigsten sparen dagegen im Durchschnitt die Bayern. Hier können Verbraucher jährlich mit 106,80 Euro Entlastung rechnen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern (107,39 Euro/Jahr), in Bremen (108,44 Euro/Jahr) und in Niedersachsen (109,58 Euro/Jahr) gibt es nur geringfügig mehr für eine mögliche Drosselung der Leistung.

Das haben wir gemacht

Im Rahmen der Untersuchung wurde die jährliche Netzentgeltreduzierung in 10.679 Städten und Gemeinden in Deutschland analysiert und verglichen. Die Durchschnittswerte für die Bundesländer wurden auf Basis der Werte für alle analysierten Städte errechnet. Im Fall von Hamburg unterscheiden sich die Durchschnittswerte zwischen Stadt und Bundesland geringfügig, da im Rahmen der Berechnung des Bundeslands die Werte auf der Insel Neuwerk berücksichtigt wurden. 

Bei den Netzentgeltreduzierungen wird grundsätzlich zwischen zwei Modellen unterschieden: Modul 1 und Modul 3. Modul 1 steht für eine pauschale, jährlich festgelegte Entlastung, die unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch gewährt wird. Modul 3 hingegen beschreibt ein variables Modell mit zeitabhängigen Netzentgelten, bei dem sich die Entlastung am tatsächlichen Stromverbrauch und dessen zeitlicher Verlagerung orientiert. Beide Ansätze verfolgen dasselbe Ziel, setzen aber auf unterschiedliche Mechanismen.

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