Negativer Strompreis: So nutzen Sie ihn
Negativer Strompreis: Das Wichtigste in Kürze
- Ein negativer Strompreis entsteht, wenn mehr Strom produziert wird als im selben Moment verbraucht werden kann.
- Das passiert vor allem dann, wenn Sonne und Wind viel Energie liefern, die Nachfrage aber gering ist, etwa an einem sonnigen Sonntagmittag im Mai.
- Im Jahr 2024 gab es in Deutschland 457 Stunden mit negativen Börsenpreisen, Tendenz steigend.
- Verbraucher mit einem Smart Meter und einem dynamischen Stromtarif können von negativen Preisen profitieren.
Was ist ein negativer Strompreis und wie entsteht er?
Ein negativer Strompreis entsteht, wenn mehr Strom produziert wird als im selben Moment verbraucht werden kann. Die Folge: Es ist zu viel Strom im Stromnetz, das Angebot ist höher als die Nachfrage.
Da sich Strom kaum speichern lässt und das Netz jederzeit im Gleichgewicht bleiben muss, sinkt der Preis an der Börse so lange, bis sich Abnehmer finden. Dadurch kann der Preis auch negativ werden.
Das passiert vor allem dann, wenn Sonne und Wind viel Energie liefern, die Nachfrage aber gering ist, etwa an einem sonnigen Sonntagmittag im Mai.
Was bedeutet ein negativer Strompreis für private Haushalte?
Wer einen klassischen Stromtarif mit Festpreis hat, merkt von den negativen Strompreisen nichts, weil der Strompreis sich nicht dynamisch an den Börsenpreis anpasst.
Anders sieht es mit einem dynamischen Stromtarif aus: Hier wird der Börsenpreis in der Regel direkt weitergegeben. Bei negativen Strompreisen an der Börse sinkt der Strompreis für private Haushalte also deutlich, auch wenn Netzentgelte und Abgaben weiterhin anfallen. Ein Smart Meter ist dafür die technische Voraussetzung, denn er erfasst den Verbrauch in 15-Minuten-Intervallen und ermöglicht so die genaue Abrechnung nach Börsenpreis.
Wie oft und zu welchen Zeiten treten negative Strompreise auf?
Im Jahr 2024 gab es in Deutschland über 457 Stunden mit negativen Strompreise an der Börse. Zum Vergleich: 2016 waren es noch 97 Stunden.
Die Tendenz ist eindeutig steigend. Mit dem weiteren Ausbau von Wind- und Solarenergie wird das Stromangebot in bestimmten Stunden immer häufiger die Nachfrage übersteigen.
Wann treten negative Strompreise typischerweise auf?
Negative Preise konzentrieren sich auf bestimmte Zeiten:
- Wochentag: Vor allem an Wochenenden und Feiertagen, wenn Industrie und Gewerbe weniger Strom verbrauchen.
- Tageszeit: Häufig zwischen 11 und 16 Uhr, wenn Solaranlagen ihre Spitzenleistung erreichen.
- Jahreszeit: Besonders im Frühling und Frühsommer, wenn viel Sonne scheint, aber noch nicht klimatisiert werden muss.
Ein typisches Szenario: Ostersonntag, wolkenloser Himmel, leichter Wind. Die Solaranlagen liefern Höchstleistung, gleichzeitig sind viele Betriebe geschlossen. Der Börsenpreis fällt in den negativen Bereich.
Wie kann ich negative Strompreise aktiv nutzen?
Mit einem Smart Meter, einem dynamischen Stromtarif und einem flexiblen Stromverbrauch lassen sich die Vorteile von negativen Strompreisen aktiv nutzen. Das geht in drei Schritten:
Schritt 1: Smart Meter installieren
Ohne Smart Meter kein dynamischer Tarif. Der intelligente Zähler erfasst den Stromverbrauch in 15-Minuten-Intervallen und übermittelt die Daten automatisch an den Messstellenbetreiber. Nur so kann der Stromanbieter den Verbrauch den jeweiligen Börsenpreisen zuordnen.
Der Einbau eines Smart Meters ist über den grundzuständigen Messstellenbetreiber (meist der örtliche Netzbetreiber) oder einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber wie metrify möglich. Wettbewerbliche Anbieter bieten oft kürzere Wartezeiten und bessere digitale Services.
Schritt 2: Dynamischen Stromtarif abschließen
Ein dynamischer Stromtarif gibt den Börsenpreis in der Regel direkt an den Haushalt weiter. Der Preis pro Kilowattstunde ändert sich stündlich oder viertelstündlich, je nach Marktlage.
Bei negativen Börsenpreisen sinkt der Endpreis deutlich. Die fixen Bestandteile (Netzentgelte, Steuern, Abgaben) bleiben bestehen, aber die Beschaffungskosten können auf null oder darunter fallen.
Gut zu wissen: Seit 2025 sind Stromanbieter verpflichtet, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten.
Schritt 3: Verbrauch in günstige Stunden verschieben
Der größte Hebel liegt im eigenen Verhalten. Wer stromintensive Tätigkeiten in Stunden mit niedrigen oder negativen Preisen verlegt, spart am meisten.
Geeignete Verbraucher für Lastverschiebung:
- Wärmepumpe: Warmwasser oder Heizung vorproduzieren, wenn der Preis niedrig ist.
- E-Auto und Wallbox: Laden in die Mittagsstunden oder Nachtstunden legen.
- Stromspeicher: Günstig laden, später verbrauchen.
- Waschmaschine, Trockner und andere große Haushaltsgeräte: Mit Zeitschaltuhr oder App steuern.
Der Aufwand lohnt sich: Mit einem dynamischen Stromtarif lassen sich bis zu 35 % der Stromkosten sparen.
Hier können Sie direkt den ersten Schritt machen und ein Smart Meter für Ihr Haus anfragen:
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